Schützt, was Ihr liebt!

Warenkunde Kartoffel: kleine Knolle mit großem Potenzial

Frisch geerntete Kartoffeln liegen in einem Stahleimer, eine Hand hält eine Kartoffel.

Kartoffelsalat, Pommes frites, Bratkartoffeln … Kartoffelbasierte Rezepte sind in Deutschland beliebt. Viele Menschen verbinden das Knollengewächs generell mit Deutschland. Dabei hatte die Kartoffel es zunächst nicht leicht, in unseren Breiten Fuß zu fassen. Man begegnete ihr zuerst mit Ablehnung. Weil sie unterirdisch wuchs und reifte, war die Kartoffel gar als „Teufelsknolle“ verschrien. Verbreitung fand sie vor allem durch die sogenannten „Kartoffelbefehle“ von Friedrich II. Er wies Mitte des 18. Jahrhunderts seine Beamten mit 15 Kartoffelbefehlen an, das Nachtschattengewächs im großen Stil anzubauen. Mit der Zeit konnte es viele Landwirte überzeugen, da die Kartoffeln deutlich ertragreicher war als Getreide – auf gleicher Fläche.

Friedrich II. und die Kartoffel

Der Legende nach ließ Friedrich II. Kartoffelfelder über den Tag hinweg von seinen Soldaten bewachen, um die Bauersleute neugierig auf das Gewächs zu machen. Nachts sollen dann wunschgemäß viele Exemplare stibitzt worden sein. Dies hätten die Wachleute gemäß dem Auftrag des Königs geflissentlich übersehen. Bis heute verbindet man die Kartoffel mit dem preußischen König. Besucht man sein Grab in der Parkanlage des Schlosses Sanssouci in Potsdam, findet man dort Kartoffeln. Diese werden zum Gedenken – statt Blumen – niedergelegt.

Papa, Potato, Tartuffel – Name und Ursprung der Kartoffel

In Europa fasste die Kartoffel zuerst in Spanien Fuß. Die Seefahrer brachten sie aus Lateinamerika mit. Von dort aus verbreitete sie sich in Europa. Auch nach Irland und Großbritannien fand die Kartoffel ihren Weg. Der Zuspruch dort war groß. Viele Pflanzen hatten mit den kargen Böden und dem nasskalten Wetter ihre Probleme. Die Kartoffel gedieh dennoch und wurde vor allem in Irland schnell zum wichtigen Grundnahrungsmittel.

Der südamerikanische Ursprung der Kartoffel zeigt sich auch sprachlich. Das spanische Wort „papa“ bezeichnet in Quechua, der Sprache der Inka, die Kartoffel. Die Ähnlichkeit mit der Batate, also der Süßkartoffel, sorgte für eine sprachliche Vermischung. Daraus ergab sich schließlich „patata“, von dem sich das englische „potato“ ableitet. Über das italienische „Tartufolo“, das seinen Ursprung beim Trüffel hat, wurde schließlich über „Tartuffel“ das heutige Wort „Kartoffel“.

Gelbe und rote Kartoffeln liegen auf einer Schaufel. © CC0 / FotoRieth

Inzwischen gibt es zahlreiche Kartoffelsorten – die Süßkartoffel gehört übrigens nicht dazu.

Wie haben die Inka Kartoffeln angebaut?

Im Inka-Reich hatte die Kartoffel einen großen Stellenwert. So galt die Garzeit von Kartoffeln als anerkannte Zeiteinheit des Chimú-Reiches. Die Ackerfläche, die eine Familie ein ganzes Jahr lang mit Kartoffeln versorgen konnte, bezeichneten die Inka als „papacancha“. Diese Angabe nutzte man auch als Flächenmaß.

Die Inka bauten mehr als 4.000 Kartoffelsorten an. Durch die Mischung konnte man Missernten verhindern. Kältere, besonders trockene oder nasse Perioden, die manche Sorten nicht vertrugen, ließen sich so leichter kompensieren. Auch Krankheiten befielen nie alle Sorten zur selben Zeit.

Die Inka legten Terrassen an, um am Hang verschiedenste Feldfrüchte anbauen zu können. Die Kartoffeln wurden nach einem einfachen Prinzip angebaut. Mit einem Fußpflug (Chaki taklla) hob man die Grasnarbe ab. Dann wurde die sogenannte Mutterkartoffel daruntergelegt und mit der abgehobenen Narbe wieder bedeckt.

Kartoffelanbau im Garten

Obwohl Kartoffeln mit widrigen Bedingungen zurechtkommen und auf kargem Boden gedeihen, bevorzugen sie als Standort sonnige, helle Orte. Auf jeden Fall sollte der Boden aber wasserdurchlässig sein. Am besten wachsen Kartoffeln in nährstoffreichen Beeten, die mit viel Kompost und Mist angereichert sind.

Die Saatkartoffeln sollte man zunächst vorkeimen lassen, sodass sich erste Triebe bilden. Ab April setzt man sie etwa zehn Zentimeter tief in einem Abstand von circa 30 Zentimetern in die Erde. Frühkartoffeln kann man schon ab März legen. Die Mühe, eine Dammkultur anzulegen, muss man sich nicht zwingend machen, um eine reiche Ernte zu haben. Dennoch haben Dämme Vorteile. Der Boden erwärmt sich schneller, was vor allem Frühkartoffeln hilft. Durch das Anlegen von Dämmen vermeidet man zudem Staunässe. Im Waschbär-Magazin finden Sie eine ausführliche Anleitung zum Kartoffelanbau im Garten.

Kartoffelanbau auf dem Balkon

Wer keinen Garten hat, kann auch auf einem sonnigen Balkon Kartoffeln anbauen. Dazu braucht es nur einen Jutesack. Diesen füllt man mit etwas Erde und legt die Mutterkartoffeln darauf. Anschließend mit Erde bedecken. Die Kartoffeln regelmäßig gießen, bis die Triebe aus der Erde hinausragen. Die Triebe dann wieder mit Erde bedecken. Das wiederholt man so lange, bis der Sack komplett mit Blumenerde gefüllt ist. Schließlich kann man noch Ringelblumen aussäen, die Schädlinge fernhalten sollen. Sind nach der Blüte die letzten Triebe vertrocknet, kann es mit der Ernte losgehen. Dafür den Sack einfach ausleeren und die Kartoffeln auflesen. Die Erde kann man danach für das nächste Pflanzprojekt nutzen.

Wer keinen Jutesack hat, kann einfach die Tüte der Blumenerde verwenden. Diese sollte man jedoch wenden, damit die schwarze Innenseite die wärmenden Sonnenstrahlen absorbiert. Wichtig sind dann nur noch viele kleine Lüftungslöcher im Sack. Durch diese kann auch überschüssiges Gießwasser abfließen, denn Staunässe vertragen Kartoffeln nicht. Im Handel gibt es für den Balkonanbau Pflanztaschen und Eimer mit herausnehmbarem Innenteil.

Junge Kartoffeltriebe sprießen aus dem schwarzen Eimer, der auf dem Balkonboden steht. © Karolina K.

Zwar kann man später keine riesigen Mengen Kartoffeln ernten, Spaß macht es aber trotzdem.

Kartoffeln unkompliziert anbauen: die Lazy-Bed-Methode

Die Lazy-Bed-Methode wurde sowohl von den Inkas als auch von den Iren eingesetzt. „Lazy bed“ lässt sich mit „faules Beet“ übersetzten. Platz, Zeit und Aufwand für den Aufbau lassen sich damit reduzieren. Bei der ursprünglichen Lazy-Bed-Methode hebt man die Grasnarbe ab und legt sie umgedreht auf den Boden. Das Ganze macht man auch auf der anderen Seite, sodass am Ende zwei parallele Reihen umgedrehter Grasnarben auf dem Feld liegen. Im Anschluss hebt man Furchen aus und häuft die Erde auf den Grasnarben auf. In diese locker aufgeschüttete Erde pflanzt man die Mutterkartoffeln ein.

Bei einer weiteren Variante der Lazy-Bed-Methode pflügt man das Feld zunächst und legt dann Furchen an. In diese legt man die Mutterkartoffeln. Anschließend bedeckt man das gesamte Feld lediglich mit Heu und Stroh. Dieses vermulcht mit der Zeit und hält so gut die Feuchtigkeit. Auch ist der Mulch locker, sodass die Kartoffelpflanze gut ihre Knollen ausbilden kann. Zur Ernte muss man das Heu und Stroh nur abdecken und kann die Kartoffeln schließlich einfach auflesen. Nach der Ernte kann der Mulch auf dem Feld belassen werden, dort kompostieren und so Nützlingen Lebensraum bieten.

Darf man Kartoffeln „stoppeln“?

Beim modernen Kartoffelanbau in unseren Breiten wird normalerweise nach dem Setzen der Kartoffeln die Erde über den Knollen aufgehäuft. Bei der Ernte fährt man diesen Damm ab und siebt ihn durch. Lediglich das Nachsortieren der Kartoffeln erfolgt händisch. Etwa drei bis vier Prozent der Ernte gelten als nicht marktfähig und werden aussortiert. Schon immer verblieben Knollen, die der Bauer nicht benötigte, auf dem Feld und wurden von anderen Menschen eingesammelt. Dies bezeichnet man als „Kartoffelnstoppeln“.

Mehrere Reihen mit Kartoffelpflanzen wachsen auf einem Acker. © CC0 / Nadezhda56

Die einzelnen Reihen mit den Kartoffelpflanzen werden bei der Ernte abgefahren.

Heutzutage erfreut sich das Stoppeln wieder großer Beliebtheit. Vor allem Lebensmittelretter laufen Felder nach der Ernte ab. Sie sammeln Kartoffeln ein, die zu klein geraten sind oder eine ungewöhnliche Wuchsform haben. Offiziell ist das Stoppeln strafbar. Viele Landwirtinnen und Landwirte stört es jedoch nicht. Daher lohnt es sich, nachzufragen. Wer nicht weiß, wem welche landwirtschaftliche Fläche gehört, sollte einfach beim nächstgelegenen Bauernhof nachfragen.

Kleines Tierchen, große Gefahr: Was tun gegen den Kartoffelkäfer?

Ursprünglich aus Mittelamerika stammend, hat sich der Kartoffelkäfer auf der ganzen Welt ausgebreitet. Die Weibchen der schwarz-gelb gestreiften Käfer legen auf der Unterseite des Blattes der Kartoffelpflanze ihre gelben Eier ab. Die rot gefärbten und schwarz gepunkteten Larven wiederum fressen schließlich das Grün der Pflanze.

Ein gestreifter Kartoffelkäfer sitzt auf den Blättern einer Kartoffelpflanze. © CC0 / Pixabay

Auch wenn der Käfer in seinem Streifenkleid hübsch aussieht, ist er ein gefräßiger Schädling.

Ab Mai sollte man die Pflanzen regelmäßig kontrollieren und die Käfer auflesen. Blätter mit Eiablage sollte man entfernen. Ab Juni schlüpfen die Larven, die es ebenfalls aufzusammeln gilt. Möchte man regelmäßig Kartoffeln im eigenen Garten anbauen, sollte man das Feld tiefgründig umgraben, um die im Boden überwinternden Käfer zu stören. Alternativ kann man das Feld im jährlichen Wechsel mit einer anderen Pflanze bestellen. Ein naturnaher Garten schafft Ruckzugsräume für Laufkäfer oder Wanzen, die den Kartoffelkäfer als Beute haben.

Wie kann man gegen Kartoffelfäule vorbeugen?

Eine weitere Gefahr für die Kartoffelpflanzen ist die Kartoffelfäule. Diese wird durch den Pilz Phytophthora infestans ausgelöst. Bei feuchter Witterung dringt er in die Pflanze ein und sorgt für eine Gelbfärbung der Blätter. Später entwickeln sich braune und graue Flecken sowie ein Pelz entlang der Blattunterseite. Das Grün der Kartoffel stirbt in der Folge ab. Der Pilz befällt auch die Knollen. Er ist jedoch nicht immer sofort sichtbar. Daher sollte man befallene Pflanzen gründlich „ernten“ und nichts auf dem Feld belassen. Auch die geernteten Kartoffeln sollte man genau im Blick behalten.

Um dem Befall vorzubeugen, sollte man die Abstände zwischen den Saatkartoffeln einhalten. Auf diese Weise steht das Grün nicht zu dicht und trocknet besser. Da Feuchtigkeit den Pilz lockt, empfiehlt es sich, Kartoffeln nur in den Morgenstunden zu wässern. Im Laufe des Tages trocknet die Pflanze zügig ab. Am besten gießt man unterhalb des Blattwerks. Ähnlich wie beim Kartoffelkäferbefall hilft eine Fruchtfolge, um die Wahrscheinlichkeit eines Pilzbefalls zu senken.

Wie lagert man Kartoffeln richtig?

Kartoffeln halten sich am längsten bei etwa vier bis sechs Grad. Am besten kauft man die Kartoffeln dreckig und wäscht sie erst vor der Zubereitung. Die Erde konserviert die Inhaltsstoffe. Man sollte Kartoffeln nicht in Plastikfolie aufbewahren, da sie darin anfangen zu schwitzen. Zudem sollte man Kartoffeln dunkel lagern, da sie sonst anfangen zu keimen. Auch können sich durch Tageslicht grüne Stellen auf der Schale ausbilden. Diese entstehen durch den Giftstoff Solanin, der der Abwehr von Fressfeinden dient.

Treibt doch mal eine Knolle aus, ist das nicht schlimm. So lange sich nicht zu stark ausgekeimt hat, ist die Kartoffel noch genießbar. Grüne Stellen auf der Schale sowie Keime sollte man jedoch immer großzügig abschneiden, um das darin enthaltene Solanin zu entfernen

Faule Kartoffeln muss man aussortieren, damit die Fäule nicht auf die restliche Ernte überspringt. Damit dies gelingt, empfiehlt sich die Lagerung in stapelbaren Kisten. So kann man die Kartoffeln einfach kontrollieren und übersieht kein faules Exemplar.

Die Kartoffel – gut fürs Klima, vitamin- und mineralreich

Kartoffeln sind Klimaschützer auf dem Teller. Dafür sorgt der heimische Anbau, der Lieferwege reduziert. Außerdem erhält man gute Erträge ohne Düngung oder Spritzmittel. Darüber hinaus sind Kartoffeln vitamin- und mineralienreich. Besonders Kalium und Vitamin C sind enthalten. Da die Knollen zu etwa 80 Prozent aus Wasser bestehen, sind sie kalorienarm. Wenn sie nicht gerade in Form von Pommes frites oder Kartoffelsalat auf den Tisch kommen, sind Kartoffeln zudem fettarm.

Kartoffeln sind geschält und in Streifen geschnitten, um Pommes daraus zu machen © CC0/ boguslawbyrski

Wer Pommes selber macht, kann den Fettgehalt reduzieren und muss nicht auf den Klassiker verzichten.

Kulturelles rund um die Kartoffel

Die Kartoffel hat nicht nur in der Küche ihren Platz. Sie hat – vor allem in Südamerika – auch eine hohe kulturelle Bedeutung. So werden Bräute in Peru mit der Aufgabe betraut, eine sehr knubbelige Kartoffel zu schälen und damit auf die Probe gestellt: Schält die Braut zu schlecht, gibt es keine Hochzeit. Die Sorte „Kachun Huaqachina“ heißt daher aus Quechua übersetzt „Die, die die Braut weinen lässt“.

Bei uns in Deutschland wählt man in den wichtigsten Anbauregionen jedes Jahr Kartoffelköniginnen. Sie vertreten die jeweiligen Gegenden bei landwirtschaftlichen Messen und Festen.

Kartoffelsorten: Mehlig- oder festkochend – was ist der Unterschied?

Von den uns bekannten etwa 4.000 Sorten sind lediglich 200 vom Bundessortenamt zugelassen. Diese kann man in festkochend, vorwiegend festkochend und mehligkochend unterteilen. Entscheidend ist der Stärkeanteil der Knolle. Je höher er ist, desto mehliger wird die Kartoffel.

Als „festkochend“ bezeichnet man eine Sorte die sich nach dem Kochen verarbeiten lässt, ohne auseinanderzufallen. Diese Sorten haben einen geringen Stärkegehalt und lassen sich gut für Rezepte nutzen, bei denen die Kartoffel am Stück bleiben soll. Somit kommen sie als Beilage in Bratkartoffeln der Pellkartoffeln sowie in Kartoffelsalat oder Kartoffelgratin zum Einsatz. Vorwiegend festkochende Kartoffeln nehmen eine Zwischenposition ein. Sie sind gut als Einlage in Eintöpfen oder für Rösti nutzbar.

Sind Kartoffeln mehligkochend, zerfallen sie nach dem Kochen und lassen sich leicht zerkleinern. Daher eignen sie sich besonders für Gerichte, bei denen man die Kartoffeln ohnehin breiig nutzt, wie Kartoffelsuppe, Püree oder Kartoffelpuffer.

 

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Bildquellen

  • kartoffel-sorten: © CC0 / FotoRieth
  • balkon-kartoffel-anbau: © Karolina K.
  • kartoffel-anbau: © CC0 / Nadezhda56
  • kartoffelkaefer: © CC0 / Pixabay
  • pommes-selber-machen: © CC0/ boguslawbyrski
  • kartoffeln-in-eimer: © CC0 / MillySell

Norbert ist Politikwissenschaftler mit grüner Gesinnung und hat als Werkstudent tatkräftig in der Online-Redaktion des Waschbär-Magazins mitgearbeitet. Ihn interessieren vor allem innovative Produkte, wie pfiffiges Upcycling. So ist er unter anderem stolzer Besitzer eines Kulturbeutels aus einem alten Feuerwehrschlauch und einer Reisetasche aus Markisen-Verschnitt. Als Bewohner einer Weinregion zieht er diesen Bier vor - außer im Fußballstadion.

Ähnliche Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.